Hanf verstehen & richtig anwenden

Futterhanf für Pferde – Wirkung, Nährstoffe & richtige Einordnung

Futterhanf für Pferde: Wirkung, Nährstoffe und eine ehrliche Einordnung

Praktischer Guide für Pferdebesitzer in Österreich & Deutschland · Von Gerda Steinfellner, Ernährungswissenschafterin

Stumpfes Fell, brüchige Hufe, sensible Verdauung … und der Wunsch nach einem ehrlichen Naturbaustein, der die Ration ergänzt, ohne dem Pferd zu schaden. Futterhanf taucht in vielen Stallgesprächen auf. Wir erklären dir, was er wirklich kann, was nicht … und wie wir ihn bei uns in Hanfthal einsetzen.

Wir sind keine Tierärzte … und tun auch nicht so. Bei uns in Hanfthal baut Günther den Hanf an, Gerda erklärt die ernährungsphysiologischen Zusammenhänge, weil sie Ernährungswissenschafterin ist … und Dani füttert ihre eigenen Pferde damit, jeden Tag, Mistgabel inklusive. Was du hier liest, ist Fachwissen plus das, was wir tatsächlich im Stallalltag sehen … keine Lehrbuch-Wahrheiten, keine Wunderversprechen.

Wichtig

Futterhanf ist ein Naturfuttermittel, kein Heilmittel. Bei Erkrankungen wie EMS, Insulinresistenz, Hufrehe, Allergien oder PSSM, bei laufender Medikamentengabe und bei besonderen Diäten besprich die Fütterung immer mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt.

Merke dir das Wichtigste
  • Futterhanf ist ein Baustein: Er ersetzt keinen guten Futterplan, er ergänzt ihn.
  • Drei Formen, drei Zwecke: Hanfsamen (Energie und Fellglanz), Hanfschrot (Eiweiß und Faser), Hanfschalen (faserbetont, kalorienarm).
  • Ruhig starten, vier Wochen beobachten: Veränderungen am Fell zeigen sich oft früh, die größeren Effekte brauchen Zeit.

Was ist Futterhanf eigentlich?

Unter Futterhanf versteht man die Samen des Nutzhanfs und ihre verarbeiteten Varianten … gewonnen aus EU-zugelassenen Sorten mit minimalem THC-Gehalt. Es geht nicht um medizinische Hanfprodukte, nicht um CBD und schon gar nicht um Cannabis im umgangssprachlichen Sinn. Es geht um ein reines Einzelfuttermittel … vergleichbar mit Leinsamen, Sonnenblumenkernen oder Haferflocken, mit einem eigenständigen Nährstoffprofil.

Was Hanf so besonders macht, ist die Kombination, die er natürlich mitbringt: hochwertiges pflanzliches Protein, ungesättigte Fettsäuren in einem für Tiere günstigen Verhältnis, Ballaststoffe und Vitamin E … alles in einem Korn, ohne Zusätze, ohne Konservierung, ohne Wundermittel-Etikett.

Hanfsamen, Hanfschrot, Hanfschalen … wo liegt der Unterschied?

Drei Worte, drei verschiedene Produkte … und genau das verwirrt am Anfang die meisten Pferdebesitzer. Hier die ehrliche Übersetzung, wie wir sie im Stall verwenden.

Ganze Hanfsamen

Das volle Korn inklusive Schale, Keim und Öl. Nussiger Geschmack, viele Pferde mögen es als Topping. Energie- und Ölbaustein. Bei mäkeligen Fressern macht es oft den Unterschied, ob das Krippenfutter überhaupt angenommen wird. Frisch leicht angequetscht ist die Nährstoffverfügbarkeit am besten.

Bio Hanfschrot

Das aufgebrochene, ausgesiebte Korn. Hoher Eiweiß-, Faser- und Omega-3-Anteil, gleichzeitig deutlich magerer als die ganzen Samen. Naturbelassen, ohne Zusätze. Genau das Produkt, das wir bei stoffwechselempfindlichen Pferden, im Fellwechsel und bei älteren Tieren am häufigsten verwenden … weil es eiweiß- und faserstark ist, ohne zu viel Energie mitzubringen.

Bio Hanfschalen

Sehr faserreich, wenig Öl, wenig Protein. Eine ruhige Struktur-Ergänzung für sensible Pferde, leichtfuttrige Ponys oder Tiere, die ohnehin schon eine ölreiche Ration haben. Mit Wasser angefeuchtet werden Schalen gut angenommen.

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Das Nährstoffprofil im Überblick

Hier geht es nicht um Tabellen-Akrobatik, sondern um die vier Dinge, die für deine Ration wirklich zählen.

Omega-3, Omega-6 und natürliche Gamma-Linolensäure

Futterhanf bringt ein günstiges Verhältnis aus Omega-6 und Omega-3 mit … plus natürlich vorkommende Gamma-Linolensäure, die in der Tierernährung als wertvoll gilt. Das ist der Grund, warum wir bei Fell, Haut und in Übergangszeiten oft beobachten, dass sich etwas tut. Energie kommt über das Fett, nicht über die Stärke … das ist besonders bei stoffwechselempfindlichen Pferden ein wichtiger Punkt.

Vitamin E und Zellschutz

Hanf liefert natürlich vorkommendes Vitamin E … wichtig in Trainingsphasen, wenn ohnehin Öle gefüttert werden und für die antioxidative Versorgung. Vor allem bei Sportpferden, Senioren und im Fellwechsel sehen wir, dass der Bedarf an Vitamin E steigt.

Pflanzliches Eiweiß und essentielle Aminosäuren

Hanfschrot bringt gut verfügbares pflanzliches Eiweiß mit … hilfreich im Muskelstoffwechsel, im Fellwechsel und bei Senioren, die nicht mehr so gut an Muskelmasse halten. Wichtig: das Gesamt-Aminosäureprofil deiner Ration im Blick behalten, vor allem Lysin.

Fermentierbare Faser

Schalen und Schalenanteile fördern Kauzeit, Darmaktivität und Futterstruktur. Der milde, nussige Geschmack wird von vielen Pferden gut angenommen … besonders, wenn man die Schalen kurz mit Wasser anfeuchtet.

Wo Futterhanf im Stallalltag wirklich Sinn macht

Wir verkaufen Futterhanf nicht als Allheilmittel. Wir verwenden ihn bei uns und sehen, dass er in bestimmten Situationen ruhig und verlässlich seine Arbeit macht. Das sind die Anwendungsbereiche, in denen wir ihn am häufigsten empfehlen.

  • Fell, Haut und Fellwechsel: Omega-Fettsäuren und Vitamin E unterstützen die Hautbarriere und den Fellglanz. Bei uns ist Hanf rund um Frühjahr und Herbst fester Bestandteil im Trog.
  • Sensible Verdauung: Mehr Energie über Fett, weniger über Stärke. Die Faser im Schrot und in den Schalen unterstützt die Futterstruktur.
  • Senior-Pferde: Eiweiß zum Muskelaufbau, Fettsäuren für Fell und Haut, gleichzeitig stärke- und zuckerarm.
  • Training und Regeneration: Eiweiß als Baustein, Vitamin E für die Belastungsphasen, ölbasierte Energie statt Müsli-Hochs.
  • Ruhe in der Ration: Hanf macht nicht „heiß“ … das ist eine der häufigsten Rückmeldungen, die wir von unseren Kundinnen bekommen.
Was Futterhanf nicht ist

Kein Heilmittel. Kein Ersatz für gutes Heu. Kein Mineralfutter. Kein Allheilmittel bei Kotwasser, Hufrehe oder Sommerekzem … sondern ein Baustein, der in einen klugen Gesamtfutterplan eingebettet werden will.

Unsere 19-jährige Warmblutstute bekommt seit zwei Jahren täglich Hanfschrot, rund 40 bis 60 Gramm je 100 Kilogramm Körpergewicht. Besonders im Fellwechsel sehen wir, dass das neue Fell schneller nachkommt, die Energie konstant bleibt und die Futterakzeptanz richtig gut ist … ohne Nebenwirkungen, ohne Schnickschnack. Mehr versprechen wir gar nicht. — Dani, Pferderanch Hanfthal

Qualität, Herkunft und warum kurze Wege etwas ändern

Unser Hanf wird vor allem in Hanfthal in Niederösterreich angebaut. Bio, kontrolliert, von Günther und seinen Hanfbauernkollegen. Geerntet, schonend getrocknet, gesiebt, und dann im eigenen Betrieb verpackt. Das ist nicht Romantik. Das ist der Grund, warum wir genau wissen, was im Sack ist, der bei dir im Stall steht.

Kurze Wege bedeuten frische Ware. Frische Ware bedeutet, dass die empfindlichen Fettsäuren nicht durch lange Transportzeiten ranzig werden. Das ist der Unterschied, den du am Geruch erkennst, sobald du den Sack öffnest. Hanf soll nussig riechen … leicht süßlich, nie stechend, nie alt.

Praktisch bedeutet das auch: Lagere Futterhanf trocken, dunkel, kühl. Sack nach Öffnung dicht verschließen, eventuell in eine luftdichte Tonne umfüllen.

Wie du Futterhanf bei deinem Pferd einführst

Die wichtigste Regel ist die einfachste: ruhig starten. Halbe Menge in der ersten Woche, dann steigern. Vier Wochen lang beobachten und in einen kleinen Bogen notieren, was du am Pferd siehst (Fell, Kot, Futteraufnahme, Verhalten). Nicht parallel zwei neue Komponenten anfüttern … sonst weißt du am Ende nicht, was gewirkt hat.

Die konkreten Richtwerte pro 100 Kilogramm Körpergewicht, einen 4-Wochen-Plan zum Mitschreiben und Kombi-Tipps (Hanföl, Hanfschrot, andere Öle) findest du in unserem Anwendungsartikel: So fütterst du Futterhanf richtig … Dosierung, Start und Kombis.

Passt Futterhanf zu deinem Pferd?

Wir mögen keine Quiz-Spielereien. Aber ein paar ehrliche Fragen helfen oft, eine ruhige Entscheidung zu treffen.

Vier Fragen, die du dir stellen kannst
  • Möchtest du Fellglanz und Hautbarriere mit einem natürlichen Baustein ergänzen?
  • Soll dein Pferd Energie über Fett und Faser bekommen, weniger über Zucker und Stärke?
  • Hat dein Pferd mehr Eiweißbedarf für Training, Fellwechsel oder Seniorzeit?
  • Hast du die Geduld, langsam anzufüttern und vier Wochen lang ruhig zu beobachten?

Wenn du drei oder mehr dieser Fragen mit Ja beantwortest, ist Futterhanf eine sinnvolle Ergänzung. Wenn du nur eine bejahst, lohnt sich ein Blick auf andere Bausteine zuerst … oder ein Gespräch mit deiner Tierärztin oder einer Fütterungsberatung.

Häufige Fragen aus der Praxis

Enthält Futterhanf THC?

Nutzhanf in der EU enthält nur sehr geringe THC-Gehalte und ist als Futtermittel zugelassen. Wir verwenden ausschließlich diese Sorten. Wer im Turniersport startet, prüft trotzdem die jeweils aktuell gültigen Verbandsregeln.

Was ist der Unterschied zwischen Hanfsamen, Hanfschrot und Hanfschalen?

Hanfsamen = das ganze Korn mit Öl, Eiweiß und Faser. Schrot = aufgebrochenes Korn, eiweiß- und faserbetont, ölärmer. Schalen = faserbetonte Außenschicht, sehr energiearm. Welche Form wofür passt, beschreiben wir oben im Detail.

Kann Futterhanf bei Kotwasser oder Sommerekzem helfen?

Es gibt positive Erfahrungsberichte, aber keine Heilversprechen. Hanf ist ein Baustein im Gesamtfutterplan … bei chronischen Problemen gehört immer eine fachliche Abklärung dazu. Wer mehr zu Kotwasser lesen möchte, findet im Hempy-Blog einen eigenen Artikel dazu.

Eignet sich Futterhanf für ältere oder Sportpferde?

Beides ja, mit Augenmaß. Für Senioren ist meist der Hanfschrot interessant (Eiweiß, Faser, wenig Energie), für Sportpferde oft die Kombination aus Schrot und einer kleinen Menge Hanföl (Vitamin E, Fettsäuren, Regeneration). Individuell dosieren, Gesamtbedarf prüfen.

Woran erkenne ich gute Qualität?

Frischer, nussig-süßlicher Geruch, keine Ranzigkeit. Saubere Verarbeitung, klare Deklaration, transparente Herkunft, vernünftige Verpackung. Bei Bio-Ware aus Österreich wie bei uns sind die Wege kurz … und der Sack riecht beim Öffnen frisch.

Wie schleiche ich Futterhanf richtig ein?

Über sieben bis vierzehn Tage. Erste Tage halbe Menge, danach steigern. Parallel einen einfachen Beobachtungsbogen führen … wir haben einen 4-Wochen-Plan dafür im Anwendungsartikel verlinkt.

Bereit, Futterhanf bei deinem Pferd auszuprobieren?
Hempy – Natürlich. Ehrlich. Hanf.
Biohanfprodukte für Pferde und Hunde aus Hanfthal, Österreich
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Über die Autorin: Gerda Steinfellner, Ernährungswissenschafterin · Praxis-Feedback: Dani von der Pferderanch testet die Produkte regelmäßig mit ihren Pferden.
Letzte Aktualisierung: 15.06.2026 · Dieser Artikel enthält keine Heilversprechen und ersetzt nicht die tierärztliche Diagnose.

Gerda Steinfellner ist Mitgründerin von Hanfland und beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit dem Anbau, der Verarbeitung und den ernährungsphysiologischen Vorteilen von Hanf. Durch ihre Arbeit im niederösterreichischen Hanfthal und den engen Austausch mit Landwirt:innen und Tierhalter:innen verbindet sie praktisches Wissen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ihre Beiträge basieren auf langjähriger Erfahrung, regionaler Hanfkompetenz und Stoffwechselphysiologie.