Hanf verstehen & richtig anwenden

Warum Omega-3 die Basis ist und das Heu nicht mehr reicht

Warum Omega-3 die Basis ist und das Heu allein nicht mehr reicht

Praktischer Guide für Pferdebesitzer in Österreich & Deutschland · Von Gerda Steinfellner, Ernährungswissenschafterin

Frisches Gras bringt Omega-3 von Natur aus mit. Beim Trocknen und über die Monate im Stadel geht ein großer Teil davon verloren. Was das für den Trog bedeutet … und warum ein volles Heunetz nicht automatisch reicht.

Wir sind keine Tierärzte. Wir sind die, die den Hanf selber anbauen und selber füttern. Günther baut den Bio-Hanf in Hanfthal an, Dani füttert ihn auf der Pferderanch jeden Tag ihren eigenen Pferden, und ich erklär dir, was dahintersteckt. Was wir wissen, sagen wir. Was wir nicht wissen, sagen wir auch.

Wichtig

Dieser Artikel erklärt Zusammenhänge in der Fütterung. Er ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Wenn dein Pferd akute Beschwerden hat, abnimmt, koliziert oder sich massiv scheuert, ruf bitte deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.

Merke dir das Wichtigste
  • Omega-3 ist Baumaterial: Fettsäuren bestimmen mit, wie geschmeidig jede einzelne Zellmembran im Pferdekörper ist.
  • Gras liefert, Heu weniger: Alpha-Linolensäure ist empfindlich gegen Sauerstoff, Licht und Wärme … Trocknung und Lagerung zehren daran.
  • Weniger ist oft mehr: Ein naturbelassener Rohstoff mit einer Zutat schlägt einen bunten Kübel mit vierzehn Positionen.

Was Omega-3 im Pferdekörper eigentlich macht

Jede Zelle ist von einer Membran umgeben. Diese Membran ist keine starre Wand, sondern beweglich, und ihre Beweglichkeit hängt davon ab, welche Fettsäuren eingebaut sind. Omega-3-Fettsäuren halten die Membran geschmeidig. Das ist relevant für den Austausch zwischen innen und außen: Nährstoffe rein, Abbauprodukte raus.

Deshalb sag ich gern, dass Fettsäuren Baumaterial sind und kein Zusatz. Der Körper baut mit dem, was da ist. Kommt über Wochen und Monate wenig Omega-3 an, wird eben mit dem gebaut, was reichlich vorhanden ist.

Dazu kommt: Aus Omega-3 und Omega-6 entstehen im Körper Botenstoffe, die entzündliche Prozesse mitsteuern. Beide braucht das Pferd. Es kommt aufs Verhältnis an, nicht auf ein Entweder-oder.

Beim Menschen ist der Zusammenhang zwischen diesem Verhältnis und niedrigschwelligen Entzündungsprozessen mittlerweile gut untersucht. Beim Pferd ist die Datenlage dünner. Das sag ich dir bewusst, weil ich dir nichts verkaufen will, was noch nicht geklärt ist. Die Grundlagen der Zellphysiologie gelten allerdings für beide.

Naturbelassener Bio-Hanfschrot aus Hanfthal … eine Zutat, sonst nichts.

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Warum früher das Gras gereicht hat

Frisches Weidegras enthält insgesamt wenig Fett, aber ein sehr großer Anteil davon ist Alpha-Linolensäure … die pflanzliche Omega-3-Fettsäure. Ein Pferd, das den Großteil des Jahres draußen frisst und dabei ordentliche Mengen aufnimmt, deckt seinen Bedarf nebenbei. Ohne dass jemand etwas dazufüttert.

Das ist der Punkt, den ich so faszinierend finde: Die Natur hat das gelöst, lange bevor es Ergänzungsfutter gab. Nur haben sich seither die Bedingungen verschoben.

Weniger Weidezeit. Kleinere Flächen. Mehr Trockenheit und auch mehr Kraftfutter im Trog. Und ein Grundfutter, das den Großteil des Jahres nicht mehr grün ist, sondern getrocknet.

Was beim Trocknen und Lagern passiert

Alpha-Linolensäure ist dreifach ungesättigt. Genau das macht sie im Körper so wertvoll und in der Lagerung so empfindlich. Sauerstoff, Licht und Wärme setzen ihr zu.

Beim Mähen beginnt der Abbau. Beim Wenden auf dem Feld geht er weiter. Über die Monate im Stadel läuft er langsam, aber stetig. Das Heu, das im Mai noch grün war, ist im Februar nicht mehr dasselbe Futter … auch wenn es gut riecht und die Pferde es gern fressen.

Dazu kommt der zweite Teil der Rechnung. Getreide und viele gängige Öle bringen reichlich Omega-6 mit. Weniger Grünfutter plus mehr Kraftfutter ergibt eine Verschiebung, die man am einzelnen Tag nicht sieht und über Jahre schon.

Ein einfacher Test für zuhause

Dreh die Säcke um, die bei dir im Futterraum stehen, und lies die Zutatenlisten. Wie viele Positionen stehen drauf? Wie viele davon kannst du einordnen? Das sagt oft mehr als jede Werbeaussage auf der Vorderseite.

Ein Gespräch, das mich zurück zur Basis gebracht hat

Vor Kurzem hab ich mit einem Tierarzt gefrühstückt. Wir sind ins Reden gekommen über ein Thema, das mich seit Jahren beschäftigt: Pferde und Hunde kommen heute mit Beschwerden daher, die man früher fast nur beim Menschen gekannt hat. Empfindliche Haut. Verdauung, die nicht rund läuft. Immunsysteme, die überreagieren.

Seine Einschätzung war schlicht: Wir füttern unsere Tiere zunehmend so, wie wir selber essen. Verarbeitet, haltbar gemacht, mit vielen Bestandteilen, die in der Natur so nicht vorkommen.

Das ist eine Beobachtung, kein Beweis. Ich geb sie dir genau so weiter, wie sie gefallen ist. Aber sie hat mich zurückgebracht zu einem Gedanken, der bei uns von Anfang an im Hintergrund mitläuft: Weniger ist oft mehr. Wenn du nicht weißt, was ein Zusatz langfristig macht, ist es kein Verlust, ihn wegzulassen.

Ich hab jahrelang immer wieder was Neues probiert, weil grad wer im Stall davon geschwärmt hat. Irgendwann hab ich alles rausgeworfen und bin auf zwei, drei ehrliche Sachen runter. Meine Pferde sind seither ruhiger im Futter und ich in der Futterkammer. — Dani, Pferderanch Hanfthal

Warum ausgerechnet Hanf

Hanf ist bei den Fettsäuren deshalb interessant, weil das Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 von Natur aus günstig liegt … deutlich ausgewogener als bei den meisten anderen pflanzlichen Ölen, die im Pferdestall üblich sind. Da braucht niemand nachzujustieren, das bringt die Pflanze so mit.

Unser Bio Hanfschrot entsteht beim mechanischen Schälen der Hanfsamen. Die Schalen werden abgetrennt, übrig bleiben die gebrochenen Kernstücke. Deshalb steckt darin mehr Fett und mehr Protein als in ungeschälten Samen, bei weniger Rohfaser. Er bringt drei Dinge in einem Produkt mit: pflanzliches Protein, Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe. Und er ist stärke- und zuckerarm, was ihn auch für leichtfuttrige Pferde brauchbar macht.

Auf dem Etikett steht ein Wort. Bio-Hanfschrot. Sonst nichts.

Das können wir deshalb so sagen, weil der Weg kurz ist. Günther baut den Hanf in Hanfthal im Weinviertel an, geerntet, geschält, gemahlen, abgefüllt. Wir wissen, auf welchem Feld das gewachsen ist. Wenn du dir eine verlässliche Routine aufbauen willst, ohne dass dir der Sack im ungünstigsten Moment ausgeht, schau dir den Hempy Versorgungsplan an … größere Gebinde, regelmäßig geliefert.

So fütterst du es im Alltag

Langsam anfangen. Kein Pferd braucht am ersten Tag die volle Ration. Schleich den Hanfschrot über sieben bis zehn Tage ein, dann gewöhnt sich der Verdauungstrakt in Ruhe daran.

Richtwerte für die tägliche Menge Bio Hanfschrot
TierStartwocheTagesmenge danach
Großpferd20 bis 30 g50 bis 60 g
Pony20 g30 bis 40 g
Faustregel10 bis 20 g je 100 kg Körpergewicht
Hundhalbe Mengeca. 5 g je 10 kg Körpergewicht
Einschleichen in drei Schritten

Tag 1 bis 3: die halbe Menge. Tag 4 bis 6: drei Viertel. Ab Tag 7: die volle Tagesmenge. Einfach unters gewohnte Futter mischen, leicht angefeuchtet nimmt es fast jedes Pferd an.

Häufige Fragen

Reicht gutes Heu nicht aus?

Heu deckt Struktur, Energie und Rohfaser gut ab. Bei den empfindlichen Omega-3-Fettsäuren sieht es anders aus, weil die beim Trocknen und über die Lagerzeit abnehmen. Gutes Heu ist die Grundlage. Die Fettsäuren kommen sinnvollerweise woanders her.

Mein Pferd steht den ganzen Sommer auf der Weide. Brauch ich das dann überhaupt?

In der Weidezeit ist die Grundversorgung meist ordentlich. Interessant wird es im Herbst und Winter, wenn das Grünfutter wegfällt. Viele Pferdebesitzer füttern Hanfschrot deshalb schwerpunktmäßig in der stallgebundenen Zeit und im Fellwechsel. Jedoch ist eine gewisse Menge Omega-3 wichtig um mal den Status aufzufüllen. Und genau das gelingt im Sommer besser, wenn Omega-3 vom Grünfutter und vom Hanf kommt.

Macht Hanf mein Pferd heiß?

Nein. Hanfschrot ist stärke- und zuckerarm. Die Energie kommt aus dem Fett, nicht aus schnell verfügbaren Kohlenhydraten. Genau deshalb setzen ihn auch Besitzer von leichtfuttrigen Pferden ein.

Kann ich stattdessen einfach Hanföl füttern?

Kannst du, wenn dein Pferd nur das Fett benötigt, ohne Protein und Ballaststoffe. Der Schrot bringt alles drei mit.

Hanfschrot oder ganze Hanfsamen … was ist richtig für mich?

Das ist die häufigste Frage, die wir bekommen. Kurz gesagt: Der Schrot ist feiner, konzentrierter bei Fett und Protein und lässt sich leichter untermischen. Die ganzen Samen haben mehr Struktur und Rohfaser. Wenn du unsicher bist, probier beides in kleiner Menge aus.

Fang bei der Basis an. Eine Zutat, kurzer Weg, aus Hanfthal.
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Über die Autorin: Gerda Steinfellner, Ernährungswissenschafterin · Praxis-Feedback: Dani von der Pferderanch testet die Produkte regelmäßig mit ihren Pferden.
Letzte Aktualisierung: 01.08.2026 · Dieser Artikel enthält keine Heilversprechen und ersetzt nicht die tierärztliche Diagnose.

Gerda Steinfellner ist Mitgründerin von Hanfland und beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit dem Anbau, der Verarbeitung und den ernährungsphysiologischen Vorteilen von Hanf. Durch ihre Arbeit im niederösterreichischen Hanfthal und den engen Austausch mit Landwirt:innen und Tierhalter:innen verbindet sie praktisches Wissen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ihre Beiträge basieren auf langjähriger Erfahrung, regionaler Hanfkompetenz und Stoffwechselphysiologie.

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