Hanf verstehen & richtig anwenden

Futterhanf richtig füttern – Dosierung, Start & sinnvolle Kombis

Futterhanf richtig füttern: Dosierung, Start und sinnvolle Kombis

Praktischer Guide für Pferdebesitzer in Österreich & Deutschland · Von Gerda Steinfellner, Ernährungswissenschafterin

Wie viel? Wie oft? Wie lange? Wann macht es Sinn, Hanf mit anderen Ölen zu kombinieren … und wann besser nicht? Hier bekommst du ehrliche Richtwerte aus unserem eigenen Stall, einen 4-Wochen-Plan zum Mitschreiben und Kombi-Tipps, die wir in Hanfthal tatsächlich nutzen.

Wir sind keine Tierärzte. Bei uns in Hanfthal baut Günther den Hanf an, Gerda erklärt die ernährungsphysiologischen Zusammenhänge … weil sie Ernährungswissenschafterin ist … und Dani füttert ihre eigenen Pferde damit, Tag für Tag. Wenn du die Grundlagen suchst (Was ist Futterhanf, was leistet er ernährungsphysiologisch), schau in unseren . Dieser Artikel hier ist die praktische Anleitung.

Wichtig

Die folgenden Zahlen sind Richtwerte aus Erfahrung und Fütterungspraxis. Jedes Pferd ist anders. Bei Erkrankungen wie EMS, Insulinresistenz, Hufrehe, Allergien oder PSSM, bei laufender Medikamentengabe und bei Turnierstart besprich die Fütterung immer mit deiner Tierärztin, deinem Tierarzt oder einer Fütterungsberatung.

Merke dir das Wichtigste
  • Langsam starten ist immer richtig: Eine Woche halbe Menge, dann steigern.
  • Vier Wochen beobachten, dann anpassen: Veränderungen brauchen Zeit, schnelle Urteile führen oft in die Irre.
  • Nicht mehrere neue Komponenten parallel anfüttern: Sonst weißt du am Ende nicht, was gewirkt hat.

So startest du in 3 Schritten

Schritt 1: Einschleichen in Woche 1

  • Tägliche Startmenge geben (Richtwerte siehe Tabelle).
  • Wenn möglich auf zwei Gaben verteilen.
  • Beobachtungsbogen starten: Fell, Haut, Kot, Futteraufnahme, Verhalten.

Schritt 2: Stabilisieren in Woche 2 bis 3

  • Auf die Tagesmenge erhöhen, wenn alles gut vertragen wird.
  • Keine weiteren Futteränderungen parallel vornehmen … das ist der häufigste Fehler.

Schritt 3: Feinjustieren in Woche 4

  • Ziel erreicht? Tagesmenge beibehalten.
  • Noch Spielraum? Schrittweise Richtung Maximalmenge tasten, aber nur, wenn es zum Ziel passt (Arbeit, Körperkondition, Saison).

Behalte den Gesamtfutterplan im Blick: Heuqualität, Mineralfutter, Arbeitspensum und Weidegang. Futterhanf ist ein Baustein, kein Tausch gegen das, was deine Ration vorher schon getragen hat.

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Dosiertabelle: Richtwerte pro 100 kg Körpergewicht

Diese Werte sind Erfahrungswerte aus unserem Stall und der Hempy-Fütterungspraxis. Ponys und leichtfuttrige Pferde dosierst du eher im unteren Bereich. Sportpferde, Senioren und Tiere mit hohem Bedarf eher Richtung Tagesmenge.

Richtwerte je 100 kg Körpergewicht pro Tag
Produkt Start (Woche 1) Tägliche Menge Maximalmenge
Bio Hanföl 5 ml 15–25 ml 40 ml
Bio Hanfschrot 20–30 g 40–80 g 120 g
Bio Hanfsamen (ganz) 15–25 g 30–60 g 80 g
Bio Hanfschalen 30–50 g 80–150 g 200 g

Zwei Beispielrechnungen zum Mitdenken:

  • 500-kg-Pferd, Hanföl in der Tägliche Menge: 15–25 ml × 5 = 75–125 ml pro Tag.
  • 400-kg-Pony, Hanfschrot zum Start: 20–30 g × 4 = 80–120 g pro Tag.

Wenn du Öl und Samen oder Öl und Schrot mischst, addiere die Fettzufuhr. Lieber konservativ starten und in Woche 3 erhöhen, als von vornherein zu hoch ansetzen.

Kombi-Guide: Öl, Eiweiß und Faser

Öl für Energie und Fellglanz

Bio Hanföl liefert ungesättigte Fettsäuren in einem für Pferde günstigen Verhältnis. Wenn du bereits ein anderes Öl fütterst (etwa Leinöl oder Reiskeimöl), gib Hanföl nicht zusätzlich in voller Menge oben drauf … sondern integriere es anteilig. Eine 50:50-Mischung ist ein praktischer Einstieg.

Eiweiß für Muskel und Regeneration

Bio Hanfschrot bringt pflanzliches Eiweiß plus ungesättigte Fettsäuren plus Faser in einem Produkt. Das macht ihn besonders sinnvoll in Trainingsphasen, im Fellwechsel und bei Senioren, die nicht mehr so gut Muskelmasse halten. Mit dem Gesamt-Eiweißbedarf abgleichen, insbesondere mit Lysin als limitierender Aminosäure.

Faser für Darm und Futterstruktur

Bio Hanfschalen ergänzen Rohfaser und Kauzeit. In Mash oder angefeuchtetem Krippenfutter werden sie gut angenommen. Wichtig: Heuqualität bleibt die Basis … Hanfschalen sind ein Strukturgeber, kein Heuersatz.

Was du besser nicht kombinierst

  • Doppelte Ölspitzen: Leinöl und Hanföl beide in voller Menge fördern eine Überfettung der Ration. Entscheide dich für eine Hauptquelle und setze die andere moderat.
  • Zu viele Toppings: Samen, Ölsaaten, Mash-Zusätze, Trester … das addiert sich an Energie schnell zu viel.
  • Vitamine blind stapeln: Vitamin E aus Öl, aus Mineralfutter und aus Einzelpräparaten gleichzeitig zu geben, ohne den Bedarf zu kennen, ist unnötig.
  • Zwei neue Komponenten gleichzeitig: Wenn du Hanfschrot und gleichzeitig ein neues Mineralfutter startest, weißt du nicht, was die Veränderung gebracht hat. Eines nach dem anderen.
Stalltipp: anfeuchten erhöht die Akzeptanz

Vor allem Schrot und Schalen werden besser angenommen, wenn du sie kurz mit lauwarmem Wasser anfeuchtest. Das bindet auch Staub im Trog und sorgt für ruhigeres Fressen.

Warnhinweise und Sonderfälle

  • Übergewicht, EMS, Insulinresistenz: Energie streng kalkulieren. Eher Schalen (Faser) als ölreiche Samen. Bewegung gehört zwingend dazu.
  • PSSM und muskelsensible Pferde: Stärke niedrig halten, Schrot kann sinnvoll sein. Sehr langsam einschleichen und Reaktion engmaschig beobachten.
  • Medikamente und Allergien: Immer mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt abklären. Bei Unverträglichkeit sofort absetzen.
  • Turnierstart: Vor jedem Start die aktuell gültigen Verbandsregeln prüfen. Keine pauschalen Zusagen, die Regelwerke ändern sich.
  • Fohlen, tragende Stuten, Senioren: Vorsichtig und bedarfsgerecht dosieren. Im Zweifelsfall eine qualifizierte Fütterungsberatung dazunehmen.

Beobachtungsbogen für die ersten 4 Wochen

Notiere dir jede Woche kurz, was du an deinem Pferd siehst. Ein Blatt im Stallordner, eine Notiz im Handy, ein Foto pro Woche … alles davon funktioniert. Wichtig ist, dass du in Woche 4 nicht raten musst, wie Woche 1 ausgesehen hat.

Diese sieben Dimensionen beobachten wir bei uns:

  • Fell und Glanz: Wie liegt das Fell, wie ist der Schimmer im Licht?
  • Haut: Schuppen, Juckreiz, Stellen, an denen sich das Pferd reibt?
  • Kot und Kotwasser: Form, Farbe, Konsistenz, schmierige Spuren?
  • Futteraufnahme: Wie wird das Krippenfutter angenommen, wird ausgewählt?
  • Verhalten: Ist das Pferd ausgeglichener, nervöser, gleich?
  • Arbeit und Regeneration: Wie kommt es nach dem Training zur Ruhe?
  • Körperkondition (BCS): Hat sich an der Körperlinie etwas verändert?

Praxistipp: Mach einmal pro Woche ein Foto bei gleichem Licht, von gleicher Position aus. Nach vier Wochen siehst du Veränderungen, die im Alltag untergehen.

Den größten Fehler haben wir am Anfang selbst gemacht … wir wollten zu schnell zu viel sehen. Heute setzen wir das ruhig auf: erste Woche halbe Menge, vier Wochen nicht hektisch werden, ein Foto am Sonntag. Wer das schafft, vermeidet die meisten Fehler von vornherein. — Dani, Pferderanch Hanfthal

Häufige Fragen aus der Praxis

Wie lange dauert es, bis ich etwas sehe?

Meist 2 bis 4 Wochen. Fellglanz und Akzeptanz im Trog zeigen sich oft früher. Strukturelle Effekte (Hufqualität, Muskelaufbau) brauchen länger und sollten über mehrere Monate beobachtet werden.

Pony oder Warmblut … ändert das die Dosierung?

Ja. Ponys sind oft leichtfuttrig, das heißt: untere Richtwerte wählen und langsamer steigern. Bei Warmblütern und größeren Sportpferden kannst du dich am oberen Bereich der Tagesmenge orientieren … immer abhängig von Arbeit und Körperkondition.

Kann ich Bio Hanföl und Bio Hanfschrot gemeinsam füttern?

Ja, ist sogar eine gängige Kombination in unserem Stall. Wichtig: Gesamtfett addieren. Wenn du beides gibst, eher die untere Tagesmenge je Produkt wählen, statt jedes Produkt für sich voll auszuschöpfen.

Mit Wasser anfeuchten oder trocken füttern?

Anfeuchten verbessert die Akzeptanz, vor allem bei Schalen und Schrot. Es bindet außerdem den Staub im Trog. Bei Pferden, die wenig trinken, ist das ein zusätzlicher Vorteil.

Mein Pferd reagiert mit weichem Kot oder Blähungen … was jetzt?

Sofort die Menge reduzieren oder einen Tag pausieren. Auf die Startmenge zurückgehen und langsamer steigern. Wenn die Reaktion bleibt, das Produkt wechseln (etwa von Samen auf Schrot) oder absetzen. Bei anhaltenden Verdauungsproblemen tierärztlich abklären.

Braucht mein Pferd zusätzlich Vitamin E?

Kommt auf Arbeit und Gesamtration an. Ölreiche Rationen erhöhen den Vitamin-E-Bedarf. Wenn dein Pferd viel arbeitet, oft Öl bekommt oder älter ist, lohnt sich der Blick auf die Versorgung. Im Zweifel eine Fütterungsberatung einholen.

Ganzjährig füttern oder kurweise?

Beides ist möglich. Viele unserer Kundinnen füttern Hanfschrot ganzjährig in einer ruhigen Tagesmenge und erhöhen rund um Fellwechsel und Trainingsphasen. Andere setzen ihn nur kurweise ein. Beides ist legitim … die kontinuierliche Variante macht das Stallmanagement einfacher.

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Über die Autorin: Gerda Steinfellner, Ernährungswissenschafterin · Praxis-Feedback: Dani von der Pferderanch testet die Produkte regelmäßig mit ihren Pferden.
Letzte Aktualisierung: 15.06.2026 · Dieser Artikel enthält keine Heilversprechen und ersetzt nicht die tierärztliche Diagnose.

Gerda Steinfellner ist Mitgründerin von Hanfland und beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt intensiv mit dem Anbau, der Verarbeitung und den ernährungsphysiologischen Vorteilen von Hanf. Durch ihre Arbeit im niederösterreichischen Hanfthal und den engen Austausch mit Landwirt:innen und Tierhalter:innen verbindet sie praktisches Wissen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ihre Beiträge basieren auf langjähriger Erfahrung, regionaler Hanfkompetenz und Stoffwechselphysiologie.